Norwegen, meine Seglersicht - Segeln in Skandinavien

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Norwegen, meine Seglersicht

Törns > 2006 Norwegen-Burgtiefe

Wetterinfos nördlich von Bergen:
Es war nicht immer so einfach aktuelle Windvorhersagen zu bekommen. Der Deutsche Wetterdienst bringt sie nur bis zum Seegebiet Utsira, nicht unterschieden zwischen Nord- und Süd-Utsira. Die kann man dann mit einem Weltempfänger auf der Kurzwelle abhören.
Der DWD gibt über den Sender Pinneberg auch RTTY Wetterdaten, auch für die Norwegische See, die man mit einem PC ebenfalls auf verschiedenen Kurzwellenfrequenzen empfangen und dekodieren kann. Das ist alles nicht befriedigend, weil die Seegebiete viel zu groß sind und das Wetter speziell an der Küster abweichen kann. Mein fest installierter Langwellendecoder (MeteoRekorder) hatte erst im Skagerak brauchbaren Empfang. Außerdem hatte der DWD längere Zeit Probleme mir dem Sender Pinneberg.
Ich habe jeden Morgen versucht die Küstenfunkstationen über VHF-Funk abzuhören. Wenn man einige charakteristische Vokabeln kennt (frisk bris, liten kuling usw) und die Zahlen bis 14 m/s kennt, sollte man eigentlich zurecht kommen. Leider wird der Wetterbericht extrem kurz und schnell gesprochen und deshalb nicht so einfach zu verstehen. Er dauert etwa eine halbe bis eine Minute. Die Aussprache ist je nach Sprecher schon mal etwas „nuschelig“, speziell im Bereich Florö-Radio. Dieses Jahr habe ich mir deswegen einen digitalen Recorder gekauft. Damit konnte ich dann noch mal nachhören. Sturmwarnungen (gale warning) werden auch auf englisch gegeben.


Wer den schwedischen Küstenwetterbericht von Stockholm-Radio kennt, der weiß wie man es verständlich machen kann, ohne die Landessprache zu beherrschen.

Als letztes Mittel kam dann das Internet über Mobiltelefon mit GPRS und Klapptop zum Einsatz. WLAN habe ich kaum erlebt und nie genutzt.
Das Norwegische Meteorologische Institut hat einen prima Text-Küstenwetterbericht.
Man muß nur die Küstenabschnitte kennen. Link siehe unter Dies und Das.

Wenn ich die Aussichten für mehrere Tage haben wollte, habe ich GRIB-Daten herunter geladen und in eine Software (Demo) eingefügt. Diese Daten sind kostenlos, die Verbindungsgebühren sind niedrig, weil die GRIB-Daten typischerweise <10 KB groß sind. Vorhersagegebiet und Auflösung sind frei wählbar. Hier ein Beispiel:
Wetter mit Gribdaten

Schlechte Sicht durch dichten Regen oder Nebel habe ich zu häufig erlebt. Dann ist vom schönen Norwegen nichts zu sehen. Ich habe dann immer die Urlauber auf den Hurtigrutenschiffen bedauert, die sehen nichts, ich sehe nichts, aber ich lebe viel billiger.

Bücher
Sehr hilfreich ist das Buch von Georg Schuster „100 Häfen in Norwegen“. Hier werden die wesentlichen Wetterbegriffe und wie sie sich anhören erklärt. Überhaupt war mir diesen Buch das beste Infomaterial, speziell natürlich für die Häfen. Ich habe Herrn Schuster 2005 mehrfach mit seinem Kutter SUNNY angetroffen. Er ist ein wandelndes „Küstenlexikon“ und außerdem ein netter älterer Herr. Er bereist wohl jedes Jahr Norwegen um möglichst viel selbst zu besichtigen. Ich habe den Eindruck, er lebt im Sommer für sein Buch. Er aktualisiert es jedes Jahr mit losen Blättern, die man vom ihm beziehen kann.
Im Hafenbuch der norwegischen Seerettungsgesellschaft sind leider keine Wassertiefen angegeben, für die Motorboote ist das ja auch nicht so wichtig. Norwegen ist ein Motorbootland, als Segler ist man in der Minderheit.
"Den Norske Los" für alle Gebiete hatte ich auch dabei. Diese Bücher sind nicht billig und eher für die Berufsschiffahrt gedacht. Trotzdem sind gelegentlich Detailpläne enthalten, die so nicht in den Karten vorhanden sind. Leider werden diese Bücher nicht häufig aktualisiert. Dabei tut sich in einigen Häfen durchaus etwas, immer zum Besseren für uns Fahrtensegler.

Infos im Internet:
Wer etwas über Wege abseits der Hurtigruten nördlich von Trondheim nachsehen möchte, sollte mal nach Holger Melms googeln. Er betreibt eine außergewöhnliche Segler-Hompage. Wer diese Routen segeln will, darf aber nicht mehr unbedingt auf Schwimmstege (Flytebryggge) hoffen und muß sich auch bei 2,5 m Tide auf schlecht unterbaute Piers einlassen. Also sind dicke Fender und ein großes Fenderbrett nötig.

Hafengeld, Strompreise
Diese sind total unterschiedlich, Hafengeld zwischen 0 und 120 NOK. Eigentlich könnte ich überspitzt sagen, je schlechter der Hafen, desto teurer. Bezahlt wird auch auf sehr unterschiedliche Weise. Da gibt es Parkuhren nach Stunden mit Kreditkarten über Blechdosen, in die man das Geld wirft bis zum Türspalt vom Hafenmeisterbüro.
Die Strompreise schwanken zwischen 0 und 60 NOK. 100 NOK sind 14 €. Wonach sich diese Preise richten, habe ich nicht verstanden. Insgesamt kann man aber sagen, daß im Durchschnitt die Hafenpreise niedriger sind als in Schweden und Dänemark. Das Maximum war 160 NOK für Hafen und Strom in Stavanger. Da dort noch gebaut wurde, gab es noch nicht überall Wasser und Strom und keine Toiletten. Das war in Bergen auch so.

Dieseltankstellen, Bargeld
Viele Bootstankstellen sind automatisiert. Mit MasterCard gehts nicht immer, manchmal braucht man eine Kundenkarte. VISA-Card sollen besser gehen, damit kann man evtl. auch Geld im Supermarkt bekommen. Geld aus der Minibank (Geldautomat) ist immer möglich, nur gibt es nicht in jedem Hafen eine Miniban, also immer schön Bargeld besorgen. Zum Tanken möglichst eine Tanke mit Personal aufsuchen, oder einen norwegischen Segler bitten seine Karte zu benutzen und dann mit Bargeld bezahlen. Auch an Straßentankstellen kann man häufig Kanister mit steuerfreien Diesel tanken.

Diesel für Boote (und bestimmte KFZ) ist steuerfrei (avgifsfri, grün oder rot gefärbt) und hat meistens unter 7 NOK gekostet. So kann insgesamt ein Norwegentörn preiswert sein, wenn man nicht häufig ins Restaurant geht. Obwohl die Norweger die größten Pizzavertilger Europas sind und auch viele selbst im Lande produzieren, muß man dafür 150 NOK = 21 € bezahlen, ohne daß diese wagenradmäßig sind. Wer frischen Fisch kaufen will, fragt am besten einen deutschen Angler, die sind zahlreich unterwegs. Zugegeben, es gibt auch tolle Fischgeschäfte, manchmal.

Alte Seekarten?
Meine waren zum Teil von 1995, allerdings hatte ich aktuelle Navionics Module.
Abweichungen habe ich kaum festgestellt. Neue Brücken werden an der Westküste heute so gebaut, daß alle Kreuzfahrtschiffe durchkommen. GPS Positionen sind mit etwas Vorsicht zu gebrauchen. Das Kartendaum der Seekarten ist verschieden, kaum WGS 84. So kommt es zu Abweichungen vor allem in Ost-West Richtung. Die Kartenerstellung kommt z.T. noch aus dem 19. Jh. und Aktualisierungen betreffen wohl eher selten die Küstenlinien. Der Maßstab ist fast durchgängig 1:50000. Da braucht man gute Augen, eine Lupe oder eben einen kleinen Kartenplotter.

Boot-Überwintern in Norwegen.
Ich habe mein Boot in einer Halle überwintern lassen. Das war auch nicht teurer als in Deutschland. Spottbillig ist es das Boot im Wasser liegen zu lassen. Die ganze Westküste bis hoch in den Norden ist eisfrei, Norwegen sozusagen als Ganzjahresrevier. Man muß nur jemand finden, der gelegentlich auf die Festmacher usw. aufpasst. Das ist möglich, ich habe einige Segler gesprochen, die mir das berichtet haben. Das Zollproblem besteht nach wie vor. Man darf ein "Kraftfahrzeug" nur 1 Jahr in Norwegen lassen, und kein Norweger darf es benutzen. Ich habe dies Problem mit etwas Bedenken wie andere auch ignoriert.

Menschen in Norwegen
Die Menschen an der Westküste sind freundlich, gut gelaunt, entspannt, überhaupt nicht verschlossen und hilfsbereit, das allerdings nicht beim Anlegen. Die Mentalität erinnerte mich an die Dänen (Südländer Skandinaviens), die ich immer ähnlich erlebt habe. An der Südküste habe ich schon mal eine gewisse Rücksichtlosigkeit erlebt. Landschaft und Besiedelungsdichte prägen die Menschen wohl. Deutschfeindlichkeit habe ich nie erlebt, ganz im Gegenteil, häufig genug hat man mich auf Deutsch angesprochen. Sie haben merkbar Freude gehabt ihre Deutschkenntnisse mal wieder anzuwenden.
Aber eines sollte man auch berücksichtigen. Norweger sind sehr stolz auf ihr Land, deshalb kommt man als Gast besser zurecht, wenn man sich mit Kritik etwas zurück hält.

Warum Norwegen-Westküste?
Wie man so treffend sagt: Neuseeland, Patagonien, Alaska, Schottland, alles auf einmal.
Wer nicht nur wenige Wochen Urlaub hat, muß da eigentlich einmal hin, und zwar nördlich Trondheim. Da wird es noch schöner. Auch das Wetter scheint dort beständiger als in der Gegend von Bergen zu sein.
Wenn es nur nicht so weit wäre :-(

 
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